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Warum kann sich mein Kind nicht konzentrieren – obwohl es sich so anstrengt?

Viele Eltern kennen diese Situation:


Ihr Kind bemüht sich – und trotzdem klappt einfach nicht.

Kind konzentriert sich bei den Hausaufgaben

Vielleicht kennst du solche Momente auch.

Hausaufgaben – Ärger. Wut. Frustration.

Du siehst die Tränen in den Augen deines Kindes.


Dabei siehst du auch: Dein Kind strengt sich an. Es möchte sich konzentrieren.

Es will alles richtig machen – und dazugehören.


Warum kann sich mein Kind trotzdem nicht konzentrieren?

Diese Frage höre ich sehr oft von Eltern.


Und sie ist berechtigt. Denn dein Gefühl stimmt: Dein Kind gibt sich Mühe und strengt sich an. Und trotzdem gerät die Konzentration immer wieder ins Wanken.


Konzentration ist keine Eigenschaft, die ein Kind einfach „hat oder nicht hat“.

Sie entsteht, wenn im Körper viele Prozesse gut zusammenspielen.


Damit ein Kind sich konzentrieren kann, braucht es ein gutes Zusammenspiel von:

  • einer stabilen Körperhaltung

  • einer guten Reizfilterung

  • der Fähigkeit, Bewegungsimpulse zu hemmen

  • einem ausbalancierten Gleichgewichtssystem

  • einer guten Körperwahrnehmung


Damit wird deutlich: Konzentration entsteht nicht plötzlich im Schulalter.

Ihre Grundlagen entwickeln sich viel früher.


Bereits in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren entwickeln sich grundlegende Bewegungs- und Haltungsprogramme – die frühkindlichen Reflexe.


Sie bilden die Basis für:

  • die Dreh- und Anpassungsbewegungen des Babys während der Geburt

  • den Aufrichtungsprozess vom Liegen bis zum freien Sitzen und Stehen

  • eine gute Körperwahrnehmung

  • die fein- und grobmotorische Entwicklung


Diese Reflexe sind wie ein innerer Fitnesstrainer.


Sie sorgen dafür, dass der Körper im Hintergrund trainiert: Muskeln werden vorbereitet, Bewegungen eingeübt und Abläufe koordiniert – lange bevor ein Kind bewusst Einfluss nehmen kann.

Im Idealfall werden sie im Laufe der Entwicklung integriert.


Bleiben sie jedoch aktiv, arbeitet der Körper weiter mit seinen automatischen Schutz- und Bewegungsmustern (Reflexen) – unbewusst und dauerhaft.


Und genau das kostet Energie.


Energie, die deinem Kind später beim Lernen, beim Verarbeiten von Eindrücken und Informationen sowie beim konzentrierten Lernen fehlt.


Vielleicht kennst du das:

An einem Tag klappt es erstaunlich gut – am nächsten geht fast nichts.

Das liegt nicht an mangelnder Motivation, sondern daran, dass ein noch unreifes Nervensystem je nach Stresslevel unterschiedlich reagiert.


Fühlt sich dein Kind sicher, ist Konzentration möglich.

Fühlt sich dein Kind unter Druck oder von Reizen überflutet, übernimmt unbewusst und automatisch der Körper.


In diesem Moment trifft dein Kind keine bewusste Entscheidung mehr.

Das Nervensystem reagiert reflexhaft – wie, wenn du mit dem Finger auf eine heiße Herdplatte fasst. Du ziehst die Hand zurück, bevor du darüber nachdenken kannst.


Genauso übernimmt der Körper, wenn die alten automatischen Bewegungsmuster aktiv werden. Konzentration ist dann keine Frage des Wollens mehr – sondern physiologisch schlicht nicht möglich.


Und genau das zeigt sich im Alltag oft sehr deutlich.

Vielleicht erkennst du dein Kind hier wieder:


Es rutscht auf dem Stuhl hin und her.

Es kippelt oder stützt ständig den Kopf ab.

Die Füße wippen oder werden um die Stuhlbeine geklemmt.

Die Finger spielen mit dem Stift oder dein Kind setzt sich auf die nicht schreibende Hand.

Und manchmal bewegt sich sogar die Zunge mit, wenn dein Kind versucht, konzentriert zu arbeiten oder zu spielen.

Der Körper versucht dabei, auf unterschiedliche Weise mit der Situation umzugehen.

Das sind kleine Signale des Körpers.


Manche Kinder reagieren auffälliger:

Sie wirken plötzlich wie „erstarrt“, oder werden laut, zappelig, schnell wütend oder frustriert.


Das sind Kompensationsstrategien, keine schlechten Angewohnheiten.


Der Körper versucht, sich selbst zu regulieren – um wieder ein Gefühl von Sicherheit herzustellen.

Und während er das tut, bleibt kaum Raum für Konzentration.


Dein Kind kämpft in diesen Momenten nicht gegen dich, sondern für innere Stabilität.

Es handelt nicht aus Absicht oder Trotz – sein Körper schützt sich automatisch.

Dein Kind versucht in diesem Moment einfach nur, sein Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.


Jetzt verstehst du besser, was im Körper deines Kindes passiert – und viele Alltagssituationen lassen sich mit einem neuen Blick betrachten.


Nicht jedes unruhige Verhalten muss dann sofort korrigiert werden.

Manchmal lohnt es sich, kurz innezuhalten und genauer hinzuschauen.

Der Körper deines Kindes zeigt dir nämlich bereits, was er gerade braucht.


Beobachte einmal:

Wird dein Kind ruhiger, wenn es sich vorher bewegen durfte?

Hilft es, kurz aufzustehen, sich zu strecken oder sich körperlich zu betätigen?

Kann sich dein Kind besser konzentrieren, wenn die Umgebung ruhig und übersichtlich ist?

Ist die Erwartungshaltung in diesem Moment realistisch?


Diese kleinen Beobachtungen ohne sie sofort zu bewerten, können sehr aufschlussreich sein.

Denn sie zeigen:

Konzentration entsteht nicht durch mehr, ,,jetzt reiß dich mal zusammen“, sondern durch mehr innere Stabilität und ein sicheres Umfeld.


Manchmal braucht der Körper zuerst Bewegung, um überhaupt zur Ruhe kommen zu können.

Manchmal hilft Nähe.

Manchmal eine kleine Pause.


Je besser das Nervensystem sich regulieren kann – oder durch eine vertraute Bezugsperson co-reguliert wird – desto leichter fällt auch Konzentration.


Und genau dort beginnt Veränderung:

Nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt.


Wir wissen nun, Konzentration entsteht nicht einfach durch mehr Anstrengung.

Sie wächst dort, wo ein Kind sich innerlich sicher und orientiert fühlt.


Wenn wir beginnen, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern auf den Körper, verändert sich oft der Blick auf viele Situationen.


Plötzlich wird sichtbar, wie viel Mühe sich dein Kind eigentlich gibt. Wie sehr es versucht, mit sich selbst zurechtzukommen.


Und genau dieser neue Blick lässt mehr Verständnis entstehen.


Aus täglichem Ringen kann wieder gemeinsames Lernen werden. Aus Anspannung entsteht mehr Ruhe. Und aus dem Gefühl „Es klappt einfach nicht“ wird langsam ein neues Vertrauen:


Mein Kind will.

Gleichzeitig braucht sein Körper noch Unterstützung, damit es leichter werden kann.


Vielleicht erinnerst du dich an den Moment vom Anfang: Hausaufgaben, Tränen – und dein Kind, das sich so sehr bemüht.

Wenn wir verstehen, was im Körper passiert, können wir solche Situationen oft mit anderen Augen sehen.

Damit du typische Signale im Alltag leichter erkennen kannst, habe ich eine ausführliche Beobachtungs-Checkliste zusammengestellt.


👉 Hier kannst du dir die Checkliste kostenlos herunterladen.


 
 
 

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