Einnässen – wenn Entwicklung noch Zeit braucht
- friederikepundt
- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du diese leisen Momente im Alltag.
Die nasse Hose nach dem Kindergarten oder der Schule. Das feuchte Bett am Morgen.
Du atmest tief durch, ziehst deinem Kind frische Kleidung an, beziehst das Bett – und versuchst ruhig zu bleiben.
Nach außen klappt das meist ganz gut – aber innerlich sind sie da, diese Fragen:
Warum passiert das immer noch?
Wann hört das endlich auf?
Warum hilft das alles nicht?
Einnässen entsteht häufig dort, wo Entwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Bestimmte körperliche Abläufe greifen dann noch nicht sicher ineinander und lassen sich weder vom Kind noch von den Eltern bewusst steuern oder beschleunigen.
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, wie sehr dieses Thema Eltern belastet.
Nicht, weil sie zu viel erwarten. Sondern weil sie ihrem Kind helfen möchten – und keine Erklärung finden, die ihnen wirklich weiterhilft.
Viele körperliche Prozesse entwickeln sich nicht gleichzeitig. Während ein Kind in manchen Bereichen schon sehr wach, aufmerksam und selbstständig wirkt, kann es in anderen noch Unterstützung brauchen.
Das zeigt sich nicht nur nachts, sondern auch tagsüber – etwa dann, wenn Signale aus dem Körper nicht rechtzeitig oder nicht zuverlässig ankommen.
Gerade nachts kommen zusätzlich Reifungsprozesse ins Spiel, die hormonell gesteuert sind und sich dem bewussten Einfluss entziehen. Wenn diese Abläufe noch nicht sicher greifen, braucht der Körper vor allem eines: Geduld.
Nicht im Sinne von Aushalten, sondern als bewusste Entscheidung, der Entwicklung deines Kindes Raum zu geben.
Wenn Einnässen länger anhält, entsteht oft ungewollt Druck. Nicht aus Ungeduld, sondern aus Sorge und dem Wunsch heraus, dem Kind zu helfen. Erinnerungen, Belohnungssysteme oder gut gemeinte Gespräche können dann schnell mehr Anspannung als Entlastung erzeugen.
Auch für die Kinder selbst ist diese Situation belastend. Sie spüren, dass ihr Körper nicht so reagiert, wie sie es sich wünschen – können aber kaum erklären, warum das immer wieder passiert.
Dieses Gefühl von „irgendwie klappt es bei mir nicht“ erzeugt eigenen inneren Druck.
Trifft dieser auf die unausgesprochenen Erwartungen von außen, wird der Raum für Entspannung immer kleiner – genau die Voraussetzung, die der Körper eigentlich bräuchte.
Was Kinder in dieser Phase vor allem brauchen, ist Sicherheit. Das Gefühl, dem eigenen Körper vertrauen zu dürfen – auch dann, wenn bestimmte Abläufe noch Zeit brauchen.
Entlastung entsteht dort, wo Druck weichen darf.
Wo Kinder nicht das Gefühl haben, „aufpassen zu müssen“, sondern sich fallen lassen dürfen. Erst in diesem Zustand kann der Körper lernen, feine Signale wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren.
Entwicklung lässt sich nicht erzwingen.
Sie entfaltet sich dort, wo Vertrauen, Geduld und ein regulierendes Umfeld zusammenkommen.
Auch wenn es sich im Moment vielleicht so anfühlt:
Einnässen ist kein Zustand, der für immer bleibt.
Viele Kinder holen Entwicklungsschritte nach, sobald ihr Körper die nötige Reife und Sicherheit gefunden hat.
Wichtiger als jede Maßnahme ist die innere Haltung.
Da zu sein, hinzuschauen und dem Kind zu signalisieren: Du bist in Ordnung.
Wir gehen diesen Weg gemeinsam – und du bist damit nicht allein.
Diese Haltung nimmt Druck heraus – und schafft den Raum, den Entwicklung braucht.
An diesem Punkt kann eine entwicklungsbegleitende Unterstützung ansetzen, die den Körper in den Mittelpunkt stellt.
In meiner Arbeit schaue ich nicht zuerst auf das Verhalten eines Kindes, sondern auf die körperlichen Voraussetzungen, die diesem Verhalten zugrunde liegen.
Durch gezielte, entwicklungsfördernde Bewegungsübungen bekommt das Nervensystem die Möglichkeit, Reifungsschritte nachzuholen, die bislang noch nicht vollständig abgeschlossen sind.
Wenn sich diese Voraussetzungen stabilisieren, verändern sich viele Dinge im Alltag oft ganz von selbst – auch Themen wie das Einnässen.
Wenn du merkst, dass dich dieses Thema im Alltag belastet, darfst du wissen: Du musst da nicht alleine durch.
Es gibt Wege, die Entwicklung deines Kindes ganzheitlich zu begleiten – in seinem Tempo und mit Blick auf das, was sein Körper gerade braucht.
Ich begleite Familien dabei, genau diese körperlichen Voraussetzungen zu stärken und Entwicklungsschritte behutsam zu unterstützen. Nicht mit Druck oder schnellen Lösungen, sondern mit Verständnis, Erfahrung und einem klaren Blick auf das Kind als Ganzes.
Einnässen – wenn Entwicklung noch Zeit braucht.
Geschrieben von Friederike Pundt – Reflexintegrationstrainerin & Familienberaterin


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