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Abends überdreht statt müde – was wirklich dahinter steckt

Der Tag war lang.

Eine verzweifelte Mutter im Vordergrund. Im Hintergrund ein Kind das über das Bett spring und aufgedreht ist weil es noch nicht schlafen kann.

Du bist müde und wünschst dir einfach nur noch Ruhe.

Dein Kind eigentlich auch.


Es gähnt, reibt sich die Augen und du denkst: Super, Bettgehzeit.

Und dann passiert genau das Gegenteil.

Dein Kind wird wieder laut, zappelig und unruhig.


Statt ruhiger zu werden, dreht es noch einmal auf.


Und du fragst dich: Warum kann mein Kind jetzt nicht einfach ins Bett gehen?

Vielleicht habt ihr euch schon bettfertig gemacht.

Zähne geputzt, Schlafanzug an, eine Geschichte gelesen.


Eigentlich war alles bereit für den Schlaf.

Doch plötzlich wird dein Kind wieder aktiv.

Es zappelt im Bett, steht noch einmal auf oder ruft nach dir.

Du weißt: Dein Kind ist müde – und gleichzeitig findet es einfach nicht in die Ruhe.


Viele Eltern erleben genau diese Situation.

Und oft fühlt sie sich anstrengender an, als sie sein müsste.

Warum fällt es deinem Kind so schwer, einzuschlafen, obwohl es müde ist?


Viele vermuten dann, ihr Kind wolle den Schlaf hinauszögern oder sei noch nicht müde genug.

Doch oft steckt etwas anderes dahinter.


Der Körper deines Kindes ist bereits erschöpft. Doch gleichzeitig fällt es dem Nervensystem schwer, in einen ruhigen Zustand zu wechseln.


Gerade am Ende eines langen Tages lässt die Fähigkeit nach, Impulse zu steuern. Das bedeutet: Bewegungsimpulse, Emotionen oder innere Unruhe werden schneller sichtbar.


Für dein Kind fühlt sich das nicht wie eine bewusste Entscheidung an. Es erlebt vielmehr einen inneren Drang nach Bewegung oder Aktivität.


Viele Eltern sind überrascht, wenn sie das hören.

Denn von außen sieht es oft so aus, als würde ein Kind bewusst noch einmal „Gas geben“.

Doch für dein Kinder fühlt sich dieser Moment oft anders an.


Der Körper sendet Signale von Müdigkeit. Gleichzeitig tauchen aber immer wieder Bewegungsimpulse auf.

Das kann sich für dein Kind wie ein inneres Kribbeln oder blitzen anfühlen.

Still liegen wird dann schwierig.


Wenn dein Kind also abends noch einmal aufspringt oder im Bett herumzappelt, steckt dahinter selten Absicht. Und das spürst du wahrscheinlich auch.


Trotzdem bist du selbst müde und erschöpft vom Tag. Vielleicht möchtest du endlich auf dein Sofa oder hast noch eine Verabredung oder du musst dich noch um Geschwister kümmern und andere Dinge erledigen.


Und genau das ist der Punkt: Der Körper folgt in diesem Moment oft einfach einem Impuls, der stärker ist als die Fähigkeit, ruhig liegen zu bleiben.


Für Eltern wirkt das manchmal so, als würde ihr Kind „nicht wollen“. Tatsächlich kann es in diesem Moment oft noch nicht anders.


Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, was im kindlichen Körper dabei eine Rolle spielt.


Am Abend ist das Nervensystem eines Kindes oft noch voller Eindrücke aus dem ganzen Tag.

Erlebnisse, Geräusche, Gespräche, Bewegung, Gefühle – all das muss erst verarbeitet werden.

Bei manchen Kindern gelingt dieser Übergang in die Ruhe zu kommen noch nicht so leicht.


Das Gleichgewichtssystem, die Muskelspannung und die Körperwahrnehmung spielen dabei eine wichtige Rolle.


Wenn dieses Zusammenspiel noch nicht ganz stabil ist, fällt es Kindern oft schwer, einfach still zu liegen.


Bewegung wird dann zu einer Art Ventil.

Der Körper versucht unbewusst, Spannung abzubauen.


Ein Bereich, der dabei oft übersehen wird, sind frühkindliche Reflexe.

Diese Reflexe sind von Anfang an im Körper angelegt. Sie helfen deinem Kind in den ersten Lebensmonaten bzw. ersten 4 bis 5 Jahren dabei sich zu Entwickeln, zu Wachsen und zu Regulieren.


Im Laufe der Zeit sollten sich diese Reflexe zurückbilden. Das Nervensystem entwickelt sich so weit das bewusster Steuerung möglich ist.


Bleiben einzelne Reflexe jedoch aktiv, kann das die Regulation des Körpers beeinflussen.


Dann fällt es Kindern oft schwerer, wirklich zur Ruhe zu kommen, Bewegung zu stoppen oder die Reize und Eindrücke zu regulieren.


Gerade am Abend wird das sichtbar.

Wenn die Energie nachlässt, zeigen sich diese Muster deutlicher. Der Körper reagiert dann schneller und unmittelbarer, automatisch. Die Reflexe übernehmen dann das Kommando über den Körper.


Für dein Kind bedeutet das: Es spürt den Impuls – und folgt ihm.

Nicht, weil es nicht kooperieren möchte. Sondern weil sein Körper in diesem Moment stärker ist als die bewusste Steuerung.


Was bedeutet das jetzt für dich im Alltag?


Du hast jetzt eine Erklärung und mehr Verständnis um diese Situationen nicht als Fehlverhalten zu sehen.

Auch wenn es anstrengend ist – dein Kind zeigt dir in diesen Momenten, dass es Unterstützung braucht.


Statt mehr Druck hilft es oft, den Körper mit einzubeziehen.


Ruhige Bewegungen, Nähe und klare, wiederkehrende Abläufe und feste Routinen können deinem Kind helfen, besser in die Entspannung zu finden.


Nicht perfekt.

Aber Schritt für Schritt.


Und genau hier setzt auch die Reflexintegration an.

Sie unterstützt dein Kind dabei, seinen Körper besser zu regulieren, innere Unruhe abzubauen und leichter in den Schlaf zu finden.


Sodass sich Abende nach und nach wieder entspannter anfühlen können.


Vielleicht verändert dieser Blick etwas für dich.

Nicht sofort den Abend. Aber vielleicht deine Einstellung in den Abend zu starten.


Du siehst dein Kind jetzt nicht mehr als „überdreht“. Sondern als ein Kind, dessen Körper gerade noch keinen anderen Weg gefunden hat, sich zu regulieren um einfach in den Schlaf zu kommen.


Und genau dort beginnt Veränderung.



 
 
 

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